LEISHMANIOSE BEIM HUND
Erkennen, Verstehen, Behandeln
                                                                                                                                                                                            
Angelika Henning
Leishmaniose beim Hund

 








Buch
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Inhalt

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Vorwort

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Leseproben

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Fragen

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FRAGEN

aus dem Buch:

Gibt es auch andere Leishmaniose Formen als die viszerale bei Hunden?

Ja, es gibt auch mukokutane und kutane Formen ausgelöst durch Leishmania tropica und L. brasiliensis, die aber nicht in Europa vorkommen.

Können Hunde auch an Leishmania donovani erkranken?

Es gibt einen Donovani-Komplex, zu diesem gehören die Spezies L. donovani und L. infantum. Leishmania donovani ist eine Spezies, die bei Menschen die kutane Leishmaniose (Kala Azar) in Indien auslöst. Der Erreger spielt dort bei Hunden fast keine Rolle.

Wann ist nach Rückreise aus einem Mittelmeer-Urlaubsland ein Antikörper-Test sinnvoll?

Da die Inkubationszeit zwischen 1 Monat und 7 Jahren dauert, ist ein Test frühestens nach 3 Monaten sinnvoll. Danach alle 6 Monate, dann alle 12 Monate wiederholen, falls die Gefahr besteht, dass der Hund Erregerkontakt hatte. Besonders Hunde aus Nicht-Endemiegebieten erkranken nach Infektion häufiger und stärker, als Hunde, die genetisch bereits häufig schon resistent sind.

Kann bei Hunden aus dem Mittelmeerraum mit sehr starken Hautläsionen nicht doch eine kutane Form vorliegen?

Nein, in Europa wird an Hunde nur die viszerale Form durch Leishmania infantum übertragen, nur vereinzelt bei Menschen gibt es bei dieser Spezies kutane Formen, die meist selbst limitierend sind. Kutane Formen bei Hund wie Mensch sind sehr auffällige zumeist solitär vorkommende Geschwüre, während die viszerale Form vermehrt einen dermatologischen Gesamtkomplex aufweist.

Ist bekannt, ob Leisguard als Prävention verwendet einen Hund sicher schützt?

Leisguard verhindert nicht die Infektion. Es moduliert zwar die Immunantwort auf die Bekämpfung eingedrungener Parasiten, aber ob das Immunsystem des Hundes deshalb auch wirklich effektiv arbeitet, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Die sicherste Methode liegt darin, den Hund bereits vor dem Mückenstich zu bewahren.

Sind Hunde aus Tierheimen des Mittelmeerraums nicht schon deshalb  infiziert, weil die Mücken von einem infizierten Hund sofort zum nächsten fliegen können und diesen anstecken?

Nein, eine Mücke nimmt an einem infizierten Hund amastigote Formen von Leishmanien auf, diese wandeln sich erst nach ca. 7 Tagen in eine promastigote infektiöse Form um, die dann vom Darm in den Stechapparat wandert und erst dann wieder auf andere Säugetiere übertragen werden kann. Ein erhöhter Infektionsdruck hängt immer zuerst von einem hohen Mückenvorkommen ab, und erst in zweiter Linie von einem vorhandenen Erregerreservoir.

Gibt es auch Leishmaniose positive Podencos, heißt es nicht, dass Podencos die Erkrankung nicht bekommen können?

Nein, es heißt, dass der Podenco Ibicenco genetisch zumeist nicht erkrankt. Dennoch kann es in sehr seltenen Fällen vorkommen. Doch beweist ein positiver Antikörper-Nachweis allein noch keine Erkrankung und muss durch weitere Analysen validiert werden.

Wenn ein Hund aus dem Mittelmeerraum negativ getestet und gesund und agil wirkend einreist, kann man dann sicher sein, dass er keine Leishmaniose hat?

Hunde können mit Leishmanien infiziert sein und dennoch gesund und munter sein oder wirken. Denn ob ein Hund an diesen Parasiten auch erkrankt, ist nicht gesagt. Ein negativer Antikörper-Nachweis würde bestätigen, dass der Hund zurzeit nicht erkrankt ist, aber er kann dennoch infiziert sein und eventuell später erkranken. Da die Inkubationszeit mehrere Jahre umfassen kann, wird hier zu jährlichen Kontrolltests geraten.

Wenn ein Hund aus dem Ausland übernommen mit einem Antikörper-Titer von 1:320 nach 3 Monaten nur noch einen Titer von z.B. 32,7 aufweist, kann man das Allopurinol dann absetzen?

Bei einem Titer von 1:320 handelt es sich um eine Verdünnungsstufe des IFA-Tests, erkennbar an dem Wort Titer und dem x:y, wie er im Endemiegebiet üblich ist. Die Angabe 32,7 ist das Testergebnis eines ELISA-Tests. Die beiden Test­verfahren sind nicht vergleichbar. Aufschluss über den Gesundheitszustand des Hundes geben nur weiterführende Blutanalysen, Organwerte und eine Protein-Elektrophorese.

Warum ist ein Test auf Antikörper bei Junghunden zumeist sinnlos?

Da das Immunsystem von Welpen sich erst entwickeln muss, übergibt die Mutterhündin beim Geburtsakt an die Welpen die von ihr gebildeten Antikörper zum Schutz gegen die verschiedenen Krankheiten. Diese werden mit der Zeit abgebaut und der Junghund bildet sein eigenes Immunsystem aus. Ob ein Junghund noch Antikörper der Mutter in sich trägt, oder nach einer Infektion durch die Mücke selbst Antikörper gebildet hat, hängt entscheidend vom Status seines Immunsystems ab. Insofern besagt bei Junghunden ein negativer Wert nicht, dass er nicht infiziert wurde, während ein positiver Nachweis nicht nur eigene Antikörper, sondern eben auch noch von der Mutterhündin übergebene nachweisen könnte. Sinnvoll erscheint ein Test natürlich bei klinischen Symptomen, ansonsten frühestens ab ca. 8 Monaten.

Verläuft die Leishmaniose bei Menschen ähnlich wie beim Hund?

Es gibt bei Menschen kutane, mukokutane und viszerale Formen. Der besondere Unterschied liegt aber darin, dass die humane Form der Leishmaniose z.T. selbstlimitierend ist, aber eben auch besser heilbar. Dass dennoch so viele Menschen weltweit darunter leiden, liegt an fehlenden effektiven (auch Infektions-verhindernden) Impfmöglichkeiten und ganz sicher auch wie immer an den wirtschaftlichen Bedingungen in den endemischen Ländern wie Asien und Afrika.

Mein Hund hat dauernd blutige Stellen zwischen den Zehen und Ballen, keine Therapie hilft. Kann es sein, dass er Leishmaniose hat, obwohl der Antikörper-Nachweis negativ ausfällt?

Es gibt durchaus Fälle, in denen Hunde keine Antikörper produzieren und dennoch Symptome einer Leishmaniose zeigen. Meist sind dann aber auch leichte Abweichungen in den anderen Laborparametern zu sehen. Es gibt einfach sehr atypische Fälle, wenn auch äußerst selten. Zum Ausschluss bzw. Bestätigung wird eine PCR empfohlen und evtl. auch ein zytologischer Nachweis aus dem ulcerativen Gewebe, da es zu den äußeren Symptomen auch viele Möglichkeiten von Differenzialdiagnosen gibt.

Muss man vor einer Behandlung erst eine Spezies- oder Stammbestimmung der Leishmanien vornehmen?

Eine Bestimmung der Leishmanien-Art oder des Stammes ist morphologisch nicht möglich und auch nicht nötig, da es sowieso nur eine ganz begrenzte Anzahl an Arzneimitteln gibt, die jedoch weltweit bei Mensch wie Hund gegen alle Arten und Stämme von Leishmania wirkungsvoll eingesetzt werden. Eine Bestimmung der Stämme wird nur zu Studienzwecken mittels PCR durchgeführt,  soweit die verschiedenen DNA-Profile im Labor bekannt sind, bzw. neu angelegt werden.

Bedeutet die Aussage „nicht-regenerative Anämie“ im Blutbild, dass diese Anämie für immer bleibt und sich nicht mehr erholt?

Man unterscheidet Anämien nach regenerativ und nicht-regenerativ. Die Unterscheidung ist dabei nur die Ursache, nicht ihre Prognose.

So entstehen regenerative Anämien durch Blutverlust (Blutungen aus Wunden) oder Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolyse durch Zerstörung). Nicht regenerative Anämien entstehen durch verminderte Produktion von roten Blutkörperchen im Knochenmark. Bei der Leishmaniose gibt es in der Regel zwei verschiedene Ursachen einer nicht-regenerativen Anämie: zum einen durch den Parasiten direkt ausgelöste entzündliche Prozesse im Knochenmark, zum anderen durch verminderte Erythropoetin-Bildung aufgrund einer Nieren­erkrankung. Die Behandlung der Anämien besteht zuvorderst darin, die Ursache zu beseitigen.

Kann man einen Hund mit einer täglichen Gabe Allopurinol sozusagen "einstellen"?

Bei bestimmten hormonal bedingten Krankheiten wie Diabetes insipidus, Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenunterfunktion kann man mit der täglichen Gabe des entsprechenden Ersatzhormons lebenslang einen Patienten so einstellen, dass er beschwerdefrei normal leben kann. Leishmaniose ist aber eine parasitäre Erkrankung, bei der das Therapieziel die Eliminierung der Parasiten im Wirtskörper ist, um wieder gesund zu werden.

Warum soll nur bei Gabe von Allopurinol purinarm ernährt werden und nicht generell, um den Leishmanien die Purine zu entziehen?

Man kann Leishmanien die Purine mit einer purinarmen Ernährung nicht entziehen, da der Hund diese ja auch ohne Zufuhr aus der Nahrung selbst bildet. Die Verabreichung von Allopurinol entzieht den Leishmanien auch nicht die Purine, sondern bietet ihnen statt der Abbaustufe Hypoxanthin nun stattdessen als Analog das für sie schädliche Allopurinol an, welches ihre Entwicklung hemmt. Purinarm muss nur ernährt werden, falls der Hund die nun verbleibenden Xanthine nicht genügend mit dem Urin ausschwemmt und zur Urolithenbildung neigt.

Wie kann ich Gemüse für meinen Hund so aufschließen, dass es für ihn verdaulich wird?

Indem es gegart oder bei Rohfütterung fein gerieben oder püriert wird.

Warum soll Glucantime® subkutan und nicht intravenös wie häufig in der Humanmedizin verabreicht werden?

Hunde haben einen wesentlich schnelleren Stoffwechsel als Menschen und Glucantime® hat nur eine sehr kurze Eliminationshalbwertszeit. Bei intravenöser Verabreichung beträgt sie nur ca. 10 und bei subkutaner Verabreichung schon ca.  14 Stunden. Um den Antimon-Serumspiegel also lange aufrecht zu erhalten, empfiehlt sich neben einer höheren Bioverfügbarkeit und der Schonung der Venen die subkutane Verabreichung.

Ist die Behandlung mit leishmaniziden Medikamenten einer Chemotherapie gleichzusetzen?

Umgangssprachlich ist mit Chemotherapie die antineoplastische Behandlung von Krebszellen gemeint. Medizinisch gesehen handelt es sich aber auch bei einer antibiotischen oder antimikrobiellen Behandlung einer Infektion um eine Chemotherapie. Leishmanizide Medikamente sind Chemotherapeutika, ihre Nebenwirkungen sind aber nicht mit einer zytostatischen Therapie gleichzusetzen. Sie haben eine hohe nachgewiesen antiparasitäre Wirkung gegen einen Parasiten, der eine Krankheit auslöst, die unbehandelt tödlich ist.

Wenn klar ist, dass die Behandlung nicht alle Leishmanien eliminiert hat, muss ein Hund dann sofort erneut behandelt werden?

Ein Hund sollte nur solange erneut behandelt werden, bis er wieder gesund, also klinisch geheilt ist. Wenn der Hund wieder gesund ist, aber dennoch nicht Leishmanien-frei, bedeutet es nicht, dass er zwangsweise wieder rückfällig wird. Inwieweit dennoch eine weitere Behandlung bis zur erwiesenen Erregereliminierung fortgeführt werden soll, muss durch den Halter selbst entschieden werden.

Wie lange dauert das Ausschleichen von Allopurinol?

Hier gibt es keine vorgeschriebene Zeit, sie ist abhängig von der Dauer der vorherigen Gabe. Das Ausschleichen dient dazu, dass der Körper sich wieder umstellen kann und  falls Leishmanien verblieben sind, das Immunsystem wieder lernt adäquat damit umzugehen. In der Regel spricht man abhängig von der Anwendungsdauer von 2-4 Monaten, bei langjähriger Gabe kann diese Zeit auch auf 6 Monate ausgedehnt werden.

Ist eine PCR-Analyse des Blutes sinnvoll zum negativ Nachweis auf Leishmanien?

Nachdem alle Laborwerte wieder im Normalbereich liegen, können mehrmalige negative PCR-Nachweise z.B. aus Lymphknoten, Rückenmark oder Tränenflüssigkeit die Annahme bestätigen, dass keine Leishmanien mehr vorhanden sind. Auch eine PCR aus dem Blut ist möglich, allerdings ist das Blut im Verhältnis generell kein Träger hoher Vorkommen von Leishmanien-Erbgut.

Muss man nach einer leishmaniziden Behandlung unbedingt auch eine PCR durchführen lassen zur Bestätigung?

Wenn man absolute Sicherheit haben will, dann ja. Die meisten Hundehalter warten jedoch ab, da die Entnahme zumindest aus dem Rückenmark relativ invasiv ist, bei einmaligem negativem Nachweis nur die Probe selbst gemeint ist, und es auch bei verbliebenen Leishmanien nicht zwangsläufig zu Rückfällen kommen muss.

Warum kann man Glucantime für die Humanmedizin (Aventis) wesentlich günstiger beziehen als für die Veterinärmedizin?

Aufgrund der Schwere und Häufigkeit der Erkrankung besonders in wirtschaftlich schwachen Ländern konnte die WHO für die Humanmedizin einen generellen Preisnachlass für Meglumin-Antimonat von 60% erzielen. Es ist verständlich, dass Aventis diesen nicht freiwillig auch auf ihre Tochterfirma Merial und damit auf Veterinärprodukte überträgt.

Wenn bei serologischen Tests zusätzlich zur Leishmaniose auch noch andere Infektionen (Co-Infektionen) nachgewiesen werden, welche behandelt man dann zuerst?

Eine ausgebrochene Leishmaniose wird generell sofort mit Allopurinol behandelt, egal welche weiteren Co-Infektionen vorliegen. Gleichzeitig kann man weitere Erkrankungen (in der Reihenfolge ihrer Gefährlichkeit oder akuten aktiven Form) behandeln. Sobald ein Leishmanizid verabreicht werden muss, ist es immer eine Ermessensfrage, welche Krankheit Vorrang hat, bzw. welche Medikamente gleichzeitig verabreicht werden können. Dies muss von Fall zu Fall entschieden werden.


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